top of page
Suche
  • AutorenbildVanessa K

Die tückische Verlustangst

Aktualisiert: 9. Feb.

Die Verlustangst hat viele Gesichter. Sie tarnt sich damit besonders geschickt. Nämlich unter den anderen Gefühlen, die sie dann vorschickt. Da wären etwa Groll und Wut, übermäßige Kritik, Fluchtimpulse, die sich womöglich als ständiger Termindruck o. ä. zeigen.


Fast jeder kennt vermutlich einen überbeschäftigten Menschen, der seine Arbeit oder auch seinen Freizeitstress als Argument nennt, warum eine Beziehung - auch über Jahre - nicht ins Leben passt. Auch das Gegenteil, also, dass man jemanden am liebsten gar nicht mehr loszulassen möchte, weil man befürchtet, dass er dann nicht mehr zurückkommt, kann Verlustangst sein. In einigen Fällen verhindert die Verlustangst hingegen, dass wir etwas für eine andere Person empfinden – die Gefühle sind dann abgespalten. Damit sabotiert sie uns leider manche Beziehungen oder Beziehungsversuche. Oder auch schon die Dating- und Kennlernphasen. Sie macht das keineswegs, weil sie uns etwas Böses will. Im Gegenteil: Sie will uns beschützen. Vor negativen Erfahrungen und Leid, wie wir es vermutlich in unserer Vergangenheit erfahren haben. Etwa durch für uns ungünstige Erfahrungen in Liebe und Beziehungen und eben auch in unserer Kindheit mit den damaligen engen Bezugspersonen. Hier erhalten wir bereits die Prägungen für unser späteres Bindungsverhalten. Eben diese Erfahrungen wiederholen wir im Erwachsenenalter in unseren Beziehungen – schließlich haben wir sie gelernt. Ein paar Beispiele hierfür: Durch frühe Verlusterfahrungen oder wenn ein Elternteil z. B. räumlich bzw. emotional abwesend war, kann es sein, dass wir uns ebenso einen Partner* suchen. Wir hoffen unbewusst, mit ihm das frühere Thema lösen zu können. In dem Fall z. B., dass der ebenfalls distanzierte Partner immer für uns da sein wird. Sind wir selbst distanziert, so wollen wir damit vermeiden, jemals wieder ähnlich schmerzhafte Erfahrungen zu machen wie früher. Auch ein Elternteil, das eher überbehütend war und uns wenig Raum für eigene Entwicklung bzw. Erfahrungen gegeben hat, kann sich so auswirken. In dem Fall glauben wir vielleicht, allein nicht zurecht zu kommen und deshalb unbedingt einen Partner zu brauchen. Wir setzten dann vielleicht alles daran, um den Partner zu halten. Ob uns das nun gut tut oder nicht. Verwirrenderweise kann dieses Nähe-und-Distanz-Verhalten auch gemeinsam auftreten.Sollten wir mit solch einer Partnerwahl keine Probleme haben, dann ist das ok. Meist ist jedoch das Gegenteil der Fall, zumal auch der (potenzielle) Partner häufig entsprechende Bindungsthemen mitbringt. Wenn es mit ihm dann auch nicht funktioniert, führt diese Erfahrung wiederum nicht dazu, die Verlustangst zu schmälern. Sie wird eher größer. Was kann man tun?


Was diese Angst uns zeigen will

Wenn sich Erfahrungen wie diese mehrmals wiederholen, kann man nicht mehr davon reden, dass es wohl einfach nicht passte oder dass nur der andere durch sein Verhalten Schuld ist. Nicht falsch verstehen: Andere Menschen können sich ungünstig und für uns nicht tolerierbar verhalten. Wenn wir das aber mitmachen, so liegt hier auch unser Thema. Statt einfach zu hoffen, dass nur der Richtige auftauchen muss, ist es empfehlenswert, sich zunächst einmal seine eigenen Prägungen und Themen bewusst zu machen. Sonst erkennen wir ihn durch all diese Muster womöglich auch gar nicht erst. Das Wissen darum reicht jedoch leider oft nicht aus. Vielmehr geht es u. a. darum, damit verbundene Bedürfnisse und Gefühle zu integrieren und einen Umgang mit ihnen zu erlernen. Dann ist nach und nach auch Veränderung möglich. Hierfür macht eine therapeutische Begleitung Sinn.


Ungünstige Muster ziehen sich an

Gar nicht selten ziehen sich ausgerechnet Menschen an, die beide ungünstige Bindungsmuster haben. Das ist dann oft mit entsprechendem Drama verbunden. Kann es dennoch klappen? Nicht in jedem Fall. Manchmal sind die Konstellationen und das Verhalten zu verfahren. Oder beide bzw. einer ist noch nicht soweit. Meiner Meinung nach kann es möglicherweise dann funktionieren, wenn beide Partner reflektieren und sich ihre jeweiligen Muster bewusst machen. Und zusätzlich mit entsprechender Kommunikation, Geduld sowie Verständnis mit sich selbst und dem anderen. Auch sollten wir unsere eigenen Bedürfnisse und Grenzen kennen, möglichst danach leben bzw. in der Partnerschaft ggf. passende Kompromisse dafür finden. Dieses Vorgehen kann auch hilfreich sein, wenn ein Partner sicher (etwa durch günstige Prägungen oder weil er seine Themen bereits bearbeitet hat) und nur der andere unsicher gebunden ist. Beziehungen wollen aufgebaut und gepflegt werden – auch hierbei kann man sich ein Stück therapeutisch begleiten lassen. Ein professioneller und neutraler Blick von außen kann von Zeit zu Zeit unterstützend wirken.


*gemeint sind immer Männer und Frauen

30 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Gemeinsam einsam?

Comments


bottom of page