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  • AutorenbildVanessa K

Schuld sind immer die Anderen?

Menschen können sich ungünstig verhalten. Natürlich. Manche neigen aber dazu, die "Schuld" überwiegend bei andere zu sehen und über sie zu lästern. Aber ist denn wirklich (immer) eine Einbahnstraße? Ein paar Aspekte dazu.


"Saskia* verhält sich immer total seltsam, wenn wir unterwegs sind", sagte einmal eine Bekannte, nennen wir sie Paula, zu mir. Ich ging nicht näher drauf ein, weil ich a) Saskia nicht kannte und b) mich lästern über andere oft runterzieht. Die Stimmung verändert sich dadurch häufig ins Negative. Außerdem geben wir unsere Selbstwirksamkeit ein Stück weit aus der Hand, wenn wir nur auf das Verhalten anderer schauen und nicht auf uns selbst. Mein Ignorieren hielt Paula jedoch nicht davon ab, weiterzumachen. "Das Verhalten nervt mich total. Ich weiß gar nicht, was das soll. Hast du vielleicht eine Erklärung?", fragte sie. Da ich Paula kaum kannte, fiel es mir etwas schwer, die Situation einzuschätzen. Ich merkte aber in mir ein großes Störgefühl und dass ich keine Lust hatte, über die mir unbekannte Saskia zu reden. Daher sagte ich: "Du, ich kenne sie ja gar nicht. Keine Ahnung, was ihr Grund ist. Frag sie doch vielleicht danach. Und außerdem rede ich nicht gerne über abwesende Menschen." Ich fand, dass war eine deutliche Grenze. Sie sah das wohl anders, denn sie erzählte weiter: "Ich kann mit ihr nicht reden" und erzählte dann noch eine Geschichte von einer anderen mir unbekannten Freundin. Ich ging auch darauf nicht weiter ein, sondern zum Bezahlen (ich hatte vorher schon angekündigt, dass ich gehen müsste) an die Theke.


Was hat es in mir berührt?

"Noch ein Treffen dieser Art will ich nicht", dachte ich mir, als ich zurück zu Hause war. Und merkte, dass ich von dem negativen Reden noch genervt war. Dabei hatte ich es auch selbst schon gemacht. Etwa, wenn mich Aussagen oder Verhalten anderer enttäuscht hat. Auch heute mache ich es dann ab und zu noch. Denn natürlich kann uns der Austausch mit anderen auch nochmal andere Blickwinkel eröffnen oder einfach gut tun. Dabei achte ich auf einen Unterschied, der mir persönlich wichtig ist: Ich rede darüber, was das Geschehene mit mir gemacht hat, also wie ich mich dadurch gefühlt habe. Und ich mache mir bewusst, welche Themen von mir es womöglich berührt hat. Dann kann ich auch schauen, was ich brauche, um besser mit der Situation umzugehen. Manchmal möchte auch noch etwas verarbeitet werden. Dadurch bin ich dann auch wieder selbstwirksamer und vor allem bei mir, statt nur beim Anderen. Somit berührte natürlich auch Paula ein Thema von mir.


Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen

Andere Menschen können sich durchaus ungünstig verhalten. Meiner Meinung nach müssen wir dann nicht alles immer oder sofort verzeihen. Bei manchen Dingen geht das auch nicht. Uns dürfen wir aber im Blick behalten, in dem Sinne, dass wir lernen unsere Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und so gut wie möglich danach zu leben. Hilfreiche Fragestellungen können dann sein, was wir uns selbst Gutes tun können bzw. was wir brauchen, um mit etwas besser umgehen zu können. So finden wir hoffentlich auch wieder zu mehr innerer Ruhe und können klarer sehen (falls das noch schwer fällt, kann auch für eine Weile eine therapeutische Begleitung unterstützen). Manchmal verändert sich dadurch auch der Blick auf Situationen - in die eine oder andere Richtung, was in Ordnung ist. In andere reingucken und genau wissen, wie sie etwas gemeint haben, kann übrigens kaum jemand :). Dafür braucht es, falls gewünscht, Austausch und (Selbst-)Reflexion. Und: Auch wir können uns in den Augen anderer durch irgendwas sicher auch mal ungünstig verhalten. Das Leben ist (meist) keine Einbahnstraße :).


*Namen geändert

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